Alphamädchensoap für Protzfeministinnen

Ich kann mich nicht mit Vampiren und auf Inseln Gestrandeten identifizieren, will keine Kriminalfälle lösen und Ärzte interessieren mich nicht mehr, seitdem George Clooney den Emergency Room verlassen hat. Menschen wie ich haben es schwer, im aktuellen TV-Serienangebot Favoriten herauszupicken. Eine meiner allerliebsten Lieblingsserien ist Lipstick Jungle, die in den USA bereits nach zwei Staffeln eingestellt wurde und heute (Mittwoch) auf ProSieben startet.

Ich kenne keine Serie, in der Frauen so schön mehr verdienen dürfen als ihre Partner, Kinder vernachlässigen und Fremdgehen dürfen. So schön, weil die Protagonistinnen hier im Gegensatz zu Sex and The City mit den Konsequenzen konfrontiert sind. Christian Buß kritisiert in der taz allerdings, dass es auch hier nur um “Longdrinks, Kleidungsticks und Liebeskicks” geht. Weiters meint er: “Gearbeitet wird auch, aber nicht so viel.” Das kann Buß wahrscheinlich deshalb sagen, weil er die restlichen 18 Episoden noch nicht gesehen hat.

Ich habe einen Kleidungstick, ich stehe auf Liebeskicks und würde wahrscheinlich Longdrinks konsumieren, wenn ich davon nicht extrem zunehmen würde. Abgesehen davon, dass dies nicht der einzige Inhalt von Lipstick Jungle ist, was ist so falsch daran? Außerdem möchte ich Buß’ Sex haben, wenn ihm zufolge der, den die “Selbstverwirklicherinnen” haben, “allenfalls bei Brigitte-Woman-Leserinnen als verrucht durchgehen würde”.

Lipstick Jungle zeigt vielmehr, wie sehr die drei Hauptakteurinnen mit ihren Rollen zu kämpfen haben – sich im Gegensatz zu Männern für Affären rechtfertigen, gegen einflussreiche Partner wehren müssen und Mitarbeiter zur Kündigung umarmen. Wenn das “Protzfeminismus” ist, dann bin ich gern eine Protzfeministin.

Dass Formate wie Lipstick Jungle, Cashmere Mafia oder auch Tell Me You Love Me nicht lange funktioneren, finde ich persönlich schade. Bedauernswerter finde ich allerdings, dass  bei “Alphamädchensoaps” (wie Buße sie bezeichnet) nur über Modeticks und After-Work-Drinks diskutiert wird, und der eigentliche Plot missachtet/übersehen/nicht verstanden wird.

It’s a jungle out there. Dress accordingly.

  1. “It’s a jungle out there. Dress accordingly.” – grandioser schlusssatz! coypright lisa oberndorfer?😉
    und natürlich hab ich den heutigen serienstart verpasst – muss ich wohl noch nachholen!

    • Oberndorfer
    • September 16th, 2009

    Heute ist eigentlich eh heute (16.), dachte nicht dass das irgendwer vor Mitternacht liest🙂 Und nein, der Schlusssatz ist nicht von mir, sondern der Claim zur Serie.

  2. ah danke! dann weiß ich ja, was ich heute abend mache!

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